Netze BW testet Auswirkungen der Elektromobilität auf das örtliche Stromnetz

Sieben Haushalte, sieben Elektroautos, ein Stromkreis: In der Theodor-Heuss-Straße in Dossenheim beginnt ein Härtetest für das örtliche Stromnetz. Mit einer Verlosung und einer anschließenden persönlichen Fahrzeugübergabe pro Haushalt startet am 26. Juni 2020 die heiße Testphase.

In den nächsten sechs Monaten leben die sieben teilnehmenden Haushalte die Mobilität von morgen. Die EnBW-Tochter Netze BW stellt ihnen für die Dauer des Projekts Fahrzeuge und Ladeboxen zur Verfügung. Dabei sollen die Auswirkungen der Elektromobilität auf das örtliche Stromnetz getestet und verschiedene Strategien erprobt werden, um möglichen Engpässen im Stromnetz entgegenzuwirken. Dabei kommen für das netzdienliche Lademanagement intelligente Messsysteme und Steuerboxen zum Einsatz. „Wir wollen uns nicht allein auf Berechnungen und Prognosen verlassen, sondern live beobachten und testen“, so Projektleiterin Irene Diedler.

Bürgermeister David Faulhaber freut sich über die Verwirklichung des gemeinsamen Projekts in Dossenheim. Der Ausbau der E-Mobilität in Dossenheim ist ihm ein zentrales Anliegen. „Für den Schutz von Natur und Umwelt müssen wir ein Umdenken in Sachen Mobilität anstreben. Zentrale Voraussetzung hierfür ist das Schaffen einer geeigneten Infrastruktur. Wer ein E-Auto erwirbt, muss dies auch laden können“, so Faulhaber. Die Verwaltung möchte hier mit gutem Beispiel vorangehen und wird daher ihren Fuhrpark auf E-Mobilität umstellen. Hierfür erhält die Gemeinde Dossenheim eine Förderung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur in Höhe von 121.289, 40 Euro. Sechs Fahrzeuge werden dafür ausgetauscht, davon eins der Verwaltung, vier vom Bauhof und eins vom Wasserwerk. Neben den Fahrzeugen werden in Dossenheim fünf E-Ladestationen mit jeweils zwei Ladepunkten installiert. Zudem stehen den Gemeindebediensteten zwei E-Bikes zur Verfügung, welche mit großer Beliebtheit genutzt werden.

Hintergrund des Projekts: Wenn viele Elektrofahrzeuge gleichzeitig am gleichen Stromkreis laden wollen, stellt das das örtliche Stromnetz vor neue Herausforderungen. Bislang dominieren in Wohngebieten die typischen Haushaltsgeräte wie Herd, Wasch- oder Spülmaschine den Strombedarf: Die Schwankungen sind vergleichsweise gering, und das Netz ist auf die benötigte maximale Stromstärke ausgelegt. Aber was geschieht, wenn alle Projektteilnehmer in der Theodor-Heuss-Straße – die alle über ein und denselben Stromkreis versorgt werden – am Abend gleichzeitig ihr E-Auto aufladen wollen? Oder tun sie das vielleicht gar nicht? Wie lässt sich das Ladeverhalten möglicherweise kunden- und zugleich netzfreundlich steuern? Genau diese Fragen soll das Projekt in den nächsten Monaten beantworten und damit wichtige Erkenntnisse für die Planung der Stromnetze gewinnen.

Mit der Dossenheimer Theodor-Heuss-Straße wurde gezielt ein typisches Wohngebiet mit Ein- und Mehrfamilienhäusern ausgesucht. Dahinter steht die Annahme, dass die Elektromobilität in solchen Gebieten am schnellsten Fuß fassen wird und damit dort auch zuerst Herausforderungen für das Stromnetz entstehen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind bunt gemischt: von der Familie mit kleinen Kindern bis zum Rentner. Im Einsatz sind E-Autos, die ganz unterschiedliche Bedarfe decken, was die Reichweite und Ladeleistung anbetrifft. Neben den Fahrzeugen stellt der Netzbetreiber jedem Haushalt kostenlos eine Ladebox mit einer möglichen Leistung von bis zu 11 Kilowatt zur Verfügung.

Neben Dossenheim sind weitere Projektstandorte in Baden-Württemberg im Rahmen des NETZlabors „Intelligentes Heimladen“ vorgesehen.

Mit Projekten wie in Dossenheim und mit dem stetigen Ausbau der Netzinfrastruktur treibt die Netze BW die Alltagstauglichkeit der Elektromobilität voran. Bis 2025 sind hierfür im Netzgebiet zusätzliche Investitionen in Höhe von 500 Millionen Euro geplant.